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Niedriger Blutdruck: Wie erkennen und was hilft?

Niedriger Blutdruck, oder auch Hypotonie genannt, ist jener, der unter 100-110 mmHg systolisch und 60 mmHg diastolisch liegt. Niedriger Blutdruck kann unterschiedliche Ursachen haben und kann in vielen Fällen mit natürlichen Mitteln behandelt werden.

Inhalt:

Was ist niedriger Blutdruck?

Liegt der Blutdruck unter 100-110 mmHg systolisch und 60 mmHg diastolisch, besteht Hypotonie. In der untenstehenden Tabelle, sehen Sie die Normal- und Optimalwerte für Blutdruck sowie ab wann man von niedrigem Blutdruck spricht.

Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)
Niedriger Blutdruck < 100/110 < 60
Optimaler Blutdruck 100/110 - 120 60 - 80
Normaler Blutdruck 120 -129 80 - 84

Bei Frauen gilt der Blutdruck als niedrig, wenn der systolische Wert unter 100 mmHg fällt. Bei Männern spricht man bei einem systolischen Blutdruckwert von unter 110 mmHg von Hypotonie.

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Niedriger Blutdruck: Ursachen

Niedriger Blutdruck kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig ist er angeboren, manchmal kann er aber auch auf Erkrankungen zurückgeführt werden. Anders als niedriger Blutdruck, der aufgrund einer Erkrankung besteht, ist angeborener niedriger Blutdruck dauerhaft. Basierend darauf, wird niedriger Blutdruck in drei verschiedene Gruppen eingeteilt: primäre Hypotonie, sekundäre Hypotonie und orthostatische Hypotonie.

Primäre Hypotonie

Die erste Kategorie, primäre Hypotonie oder auch essentielle Hypotonie genannt, kann daran erkannt werden, dass dauerhaft niedriger Blutdruck besteht. In der Mehrheit der Fälle entsteht er aufgrund unbekannter Ursachen. Auffällig ist auch, dass sehr oft junge Frauen schlanker Statur zu den Betroffenen zählen. Dies hat dazu geführt, dass sich der Begriff konstitutionelle Hypotonie (niedriger Blutdruck, der mit dem Körperbau zusammenhängt) eingebürgert hat. Es wird vermutet, dass primäre Hypotonie einerseits erblich bedingt ist, andererseits können aber auch Einflüsse aus der Umwelt sowie Infekte der Grund sein.

Sekundäre Hypotonie

Sekundäre Hypotonie ist jene, deren bestimmte Ursachen zugrunde liegen. Das bedeutet, dass sekundär verursachter niedriger Blutdruck ein Symptom einer anderen Erkrankung ist. Häufige Erkrankungen in diesem Zusammenhang sind beispielsweise eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinsuffizienz oder eine endokrine Störung wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion. Neben den eben erwähnten Erkrankungen können aber auch Medikamente oder starke Blutungen und Flüssigkeitsverluste zu niedrigem Blutdruck führen.

Orthostatische Hypotonie

Die dritte Form von niedrigem Blutdruck ist die orthostatische Hypotonie. Hierbei wird der niedrige Blutdruck durch eine Störung der Blutregulation bei schnellem Aufstehen oder längerem Stehen hervorgerufen. Das Blut sackt dabei in die unteren Körperregionen, was gleichzeitig die Sauerstoffzufuhr ins Gehirn verringert. Durch den unerwartet gesunkenen Blutdruck kann es zusätzlich zu Sehstörungen – dem bekannten Schwarzwerden vor den Augen – Ohnmacht oder Ohrensausen kommen. Besonders häufig tritt die orthostatische Hypotonie in stark aufgeheizten Räumen oder in Stresssituationen auf.

Niedriger Blutdruck: Symptome

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Niedriger Blutdruck kann aufgrund unterschiedlicher einzeln oder zusammenhängend auftretender Symptome erkannt werden. Typisch für niedrigen Blutdruck sind die folgenden Symptome:

  • Appetitlosigkeit
  • Atemnot
  • Augenflimmern
  • Depressive Verstimmung
  • Erhöhte Müdigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Mangelnde Konzentration
  • Ohrensausen
  • Schwindel
  • Völlegefühl
  • Wetterfühligkeit

Betroffene

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Hypotonie tritt besonders unter Frauen, Schwangeren, Jugendlichen und älteren Menschen auf.

Frauen

Insbesonderen Frauen sind von niedrigem Blutdruck betroffen. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts weisen fast die Hälfte aller Frauen unter 40 Jahren niedrigen Blutdruck auf. Bei Männern hingegen konnte niedriger Blutdruck nur bei jedem Zehnten festgestellt werden. Im Alter dreht sich dieses Bild jedoch um. Weniger Frauen leiden unter niedrigem Blutdruck, aber die Zahl an Männern mit Hypotonie steigt.

Schwangere

Während einer Schwangerschaft sind Frauen besonders anfällig für niedrigen Blutdruck. In den ersten sechs Monaten einer Schwangerschaft sinkt der Blutdruck unter den Normalwert, steigt aber im letzten Drittel der Schwangerschaft wieder an. Gefährlich ist ein niedriger Blutdruck während der Schwangerschaft nur, wenn der Blutdruck so stark nach unten geht, dass die Plazenta nicht mehr ausreichend durchblutet wird und es so es zu einer Unterversorgung des Ungeborenen kommt.

Jugendliche

Auch Jugendliche zählen zu den Betroffenen. Sie leiden oft aufgrund eines schnellen Wachstums unter niedrigem Blutdruck, der sich aber im Laufe der Jahre wieder normalisiert.

Senioren

Älteren Menschen macht das Aufstehen oder das Stehen an sich oft Probleme, da dabei zu viel Blut in die untere Körperhälfte sackt und das Blut aufgrund der steiferen Blutgefäße nicht so schnell zurückfließen kann. Bei einem raschen Lagewechsel kann sogar bis zu ein halber Liter Blut in die Beine sacken. Während jüngere Menschen das oft gar nicht merken, reagieren ältere Menschen mit einem Schwindelgefühl auf eine solche Lageänderung. Der Schwinden kann zu Stürzen führen, was gerade bei Menschen, die unter Osteoporose leiden, gefährlich sein kann. Aber nicht nur das, niedriger Blutdruck kann vor allem auch bei Menschen mit Herzrhythmusstörungen oder Arteriosklerose zum Problem werden, da lebenswichtige Organe nur mangelhaft durchblutet werden können.

Diagnose

Eine Blutdruckmessung kann Aufschluss darüber geben, ob man unter Hypotonie leidet. Wichtig ist zudem, dem behandelndem Arzt mitzuteilen, ob und welche Medikamente eingenommen werden, wie die Essgewohnheiten aussehen und ob Vorerkrankungen bestehen. Werden bei der Blutdruckmessung auffällig niedrige Werte dokumentiert, ist es ratsam diese mittels des sogenannten Schellong-Tests zu prüfen.

Der Schellong-Test beschreibt eine Methode, bei der mehrere Messungen von Puls und Blutdruck im Stehen und Liegen vorgenommen werden. Zunächst liegt der Patient für ca. zehn Minuten und steht danach auf. Blutdruck und Puls werden dabei eine Minute nach dem Aufstehen und dann noch einmal drei, sieben und zehn Minuten danach im Stehen gemessen. Die Werte verhalten sich abnormal, wenn der systolische Blutdruck im Stehen um mehr als 20 mmHG und der diastolische um mehr als 10 mmHg sinkt. Kommt es zudem zu einem Schwindelgefühl oder Bewusstseinsstörungen, kann das auf orthostatische Hypotonie hinweisen, da die Mehrheit des Blutes in die Beine gesackt ist, steht nun weniger Blut für die Blutversorgung im Gehirn zur Verfügung. Um orthostatische Regulationsprobleme zu bestätigen, kann der Arzt Blutdruck und Puls direkt nach sehr schnellem Aufstehen aus der Hocke noch einmal messen.

Niedriger Blutdruck: Hausmittel

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Es gibt tatsächlich einige Maßnahmen, die vorgenommen werden können, um niedrigem Blutdruck vorzubeugen und dabei helfen, die Regulationsfähigkeit der Blutgefäße zu normalisieren.

Beginnen Sie schon am Morgen damit, auf Ihren Blutdruck zu achten. Abwechselndes warmes und kaltes Duschen kann helfen. Beachten Sie, aber immer mit kaltem Wasser aufzuhören. Treiben Sie regelmäßig Sport. Besonders Radfahren, Spazierengehen, Schwimmen, Wandern, Tanzen, aber auch Treppensteigen wirken sich positiv auf Ihren Blutdruck aus. Vergessen Sie nicht, sich auch zu entspannen und vermeiden Sie Übermüdung und hohe Belastung. Eine Bürstenmassage oder Yoga kann Ihnen dabei helfen.

Ein weiterer Punkt ist die richtige Ernährung. Im Gegensatz zur Behandlung von Bluthochdruck, wird bei der Linderung von niedrigem Blutdruck zu einer eher salzreichen, aber dennoch ausgewogenen Ernährung geraten. Trinken sie zudem ausreichend Flüssigkeit. Mindestens zwei bis drei Liter sind zu empfehlen. Tees wie Kräuter- Früchte- oder schwarzer Tee, Obst- und Gemüsesäfte sowie natriumreiches Mineralwasser bewähren sich. Außerdem können Sie Ihren Blutdruck mit einer Tasse Kaffee vorübergehend in Schwung bringen. Haben Sie ausgeprägte Krampfadern, so sind auch Stützstrümpfe vorteilhaft. Zu guter Letzt, achten Sie darauf, in der Nacht erhöht zu liegen, auf einem Kopfkissen beispielsweise.

Lesen Sie mehr darüber, wie Kaffee den Blutdruck beeinflusst.

Hypotonie Medikamente

Vor der Einnahme von blutdrucksteigernden Medikamenten sollte auf jeden Fall mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Vor allem bei primärer Hypotonie sind Medikamente oft nicht so wirksam wie die oben beschriebenen Hausmittel und Maßnahmen.

Wenn der niedrige Blutdruck dennoch weiterhin besteht und Sie aufgrund dessen Beschwerden haben, sollten Sie eine Therapie andenken. Generell gibt es zwei Wirkstoffgruppen gegen Hypotonie: Sympathomimetika und Mutterkornalkaloide. Diese Wirkstoffe wirken auf Herz und Blutgefäße und erhöhen den Druck in Arterien und Venen. Zu den Nebenwirkungen, die auftreten können, zählen körperliche Unruhe und Herzklopfen. In seltenen Fällen können jedoch auch starke Schmerzen am Herzen, sogenannte Angina pectoris, auftreten.

Schwangeren, die unter Hypotonie leiden, ist der Wirkstoff Dihydroergotamin zu empfehlen, der das Risiko von Frühgeburten und Entwicklungsstörungen des Kindes minimiert. Welches Medikament Ihr Arzt Ihnen aber konkret verschreibt, hängt von Ihrem Zustand und der Kategorie Ihres niedrigen Blutdrucks ab.

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